Risiko Brustkrebs

Früherkennung von Brustkrebs basiert(e) in erster Linie auf Mammografie-Screening. Leider kommt es dabei immer wieder zu falschpositiven Befunden, die zusätzliche, zum Teil unangenehme Diagnostik wie Biopsie erfordern. Nur bei 4,4 Prozent der Fälle bestätigt sich dann der Krebsverdacht, was ja eigentlich eine gute Nachricht für die betroffenen Frauen ist, aber die vorhergehende Verunsicherung ist schon sehr quälend.

Bei der digitalen Tomosynthese handelt es sich um ein 3-D-Bildgebungsverfahren. Im Vergleich zur zweidimensionalen Mammografie kommen hier kaum noch störende Überlagerungseffekte vor, die eben zum Teil falsch interpretiert werden. Das Breast Cancer Surveillance Consortium umfasst 126 radiologische Zentren in den USA und stellt eine riesige Datenbasis zum Thema bereit.

Mehr als 900.000 Frauen im Durchschnittsalter von 57,6 Jahren haben über 2,9 Millionen Screening-Untersuchungen über sich ergehen lassen. Bei immerhin 15 Prozent davon wurde die Tomosynthese eingesetzt. Bei 7,6 Prozent der Tomosynthese- und bei 9 Prozent der Standard-Mammografie-Untersuchungen war wegen falschpositiver Befunde eine Wiedervorstellung erforderlich.

Mit zunehmendem Alter verringert sich die Dichte des Brustgewebes. Aus diesem Grunde geht die Wahrscheinlichkeit eines falschpositiven Befundes bei älteren Frauen zurück.

Die kumulierten Zahlen des grauen US-amerikanischen Screenings stehen im Einklang mit aktuellen Metaanalysen, bei denen einerseits eine Zunahme der Detektionen von Brusttumoren deutlich wird, andererseits aber auch eine Reduktion falschpositiver Befunde durch die Anwendung der digitalen Tomosynthese festgestellt werden kann, so jedenfalls erläutert es Prof. Dr. med. Sylvia Heywang-Köbrunner, die Leiterin des Münchener Referenzzentrums Mammographie.

Es sollte an dieser Stelle noch darauf hingewiesen werden, dass falschpositive Befunde im qualitätsgesicherten deutschen Screening-Programm ohnehin nicht allzu oft vorkommen. Deren Rate liegt immerhin bei unter 2,3 Prozent. Im kulminierten Zehnjahresvergleich ist das ungefähr sechsmal besser als in den USA.

Die wahrscheinlich umfangreichste randomisiert-kontrollierte Studie zum Thema Tomosynthese, an der fast 100.000 Frauen teilgenommen haben, ist die TOSYMA-Studie. Hier zeigte sich ein sehr interessantes Bild: Die Entdeckungsrate bezüglich invasiver Tumore betrug mit Tomosynthese 7,1 Promille, aber nur 4,8 Promille bei der digitalen Standard-Mammografie.

Literaturhinweise:

Jahresbericht Evaluation 2019. Deutsches Mammographie-Screening-Programm. Kooperationsgemeinschaft Mammographie Berlin 2021.

Ho TQ, Bissell M, Kerlikowske K, et al.: Cumulative probability of false-positive results after 10 years of screening with digital breast tomosynthesis vs. digital mammography. JAMA Network Open 2022; 5: e222440.

Heindel W, Weigel S, Gerß J, et al.: Digital breast tomosynthesis plus synthesised mammography versus digital screening mammography for the detection of invasive breast cancer (TOSYMA): a multicentre, openlabel, randomised, controlled superiority trial. Lancet Oncol 2022; 23: 601–11.